Waldorfpädagogik

Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart von Rudolf Steiner gegründet. Ein wesentliches Prinzip ist die menschlichen Kompetenzen Denken, Fühlen, Wollen zu stärken. Dies wird durch einen Unterricht, der ausgewogen kognitive, praktische, handwerkliche, künstlerische und soziale Fähigkeiten anspricht, gefördert. Auf diese Wise können die Kinder lernen eine eigene Urteilskraft zu bilden. Bis heute gibt es über 249 Waldorfschulen in Deutschland.

Mehr zur Waldorfpädagogik finden Sie hier.

Was will die Waldorfschule?

Schüler sollen ihre kreativen Kräfte von Grund auf entfalten können. Anstatt mit vorgegebenen Formen zu arbeiten, die beispielsweise Lücken zum Ausfüllen bieten, ersetzen selbst gestaltete Epochenhefte klassische Lehrbücher und regen die Phantasie der Schüler an.

Das Üben sozialer Kompetenzen in einer möglichst stabilen Klassengemeinschaft von Schülern unterschiedlicher Begabung ist lebensnaher als ein notenorientiertes Lernen von Schülern derselben Begabungsbandbreite. Gymnasien berauben Real- und Hauptschulen ihrer Zugpferde. Das Herauslösen leistungsschwacher Schüler aus einer Klassengemeinschaft durch Sitzenbleiben setzt einen abstrakten Leistungsgedanken vor die soziale Tragfähigkeit einer Klassengemeinschaft. Waldorfschulen bauen dagegen auf das Lernen im gegenseitigen Miteinander. Denn schneller begreifende Schüler lernen am meisten, wenn sie Gelegenheit bekommen, langsamer begreifenden Schülern etwas zu erklären. Letztere lernen auch besser, wenn sie nicht ausschließlich auf die Erklärungen des Lehrers angewiesen sind. Das gemeinsame Lösen von Aufgaben in Gruppen mit unterschiedlichen Begabungen ist eine Herausforderung des Berufslebens, auf die Schule vorbereiten sollte.

Was bedeutet das konkret?

Es gibt kein Sitzenbleiben

Gemeinsam durchlaufen die Schüler 13 Schuljahre. Es gibt kein Sitzenbleiben. Der Waldorflehrplan ist auf die seelischen und geistigen Veranlagungen und Begabungen sowie der Entwicklung der Kinder ausgerichtet. Deshalb stehen ab der ersten Klasse sachbezogene Unterrichtsbereiche gleichrangig neben den vielseitig-künstlerischen-handwerklichen Fächern. Jedes einzelne Kind wird als Individuum betrachtet und in seinen für die Gesellschaft wichtigen schöpferischen Fähigkeiten gefördert.

Künstlerisch-handwerklicher Unterricht

Lebensnah und lebenspraktisch –  der vielfältige handwerkliche Unterricht fördert die differenzierte Ausbildung des Willens und die lebenspraktische Orientierung der Schüler.

Entwicklungsorientierter Lehrplan

Ein entscheidendes Prinzip des Waldorflehrplans liegt in der Abstimmung der Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen auf die Prozesse kindlichen Lernens und die Stufen menschlicher Entfaltung in Kindheit und Jugend. Der Unterricht ist von Schulbeginn an auf das Ziel innerer menschlicher Freiheit hinorientiert. Nach den Worten von Rudolf Steiner: „Erziehung zur Freiheit.“

Bildhafter Unterricht

In den ersten Schuljahren, in denen die eigene Urteilskraft der Kinder erst heranreift, ist “bildhafter” Unterricht ein wesentliches Unterrichtsprinzip. Die Tatsachen werden so behandelt, dass die Schüler zusammen im Sinne echter Bilder mit dem Anschaulichen auch das Gesetzmäßige und Wesenhafte der Dinge verstehen und erleben lernen.

Wissenschaftlicher Unterricht

Dem Streben nach eigener Lebensgestaltung und Urteilsbildung vom 14. Lebensjahr an entspricht der wissenschaftliche Charakter vieler Unterrichtsfächer vom 9. bis 12. Schuljahr. Die Waldorfschulen sehen hier die pädagogische Aufgabe nicht darin, eine voruniversitäre Ausbildung zu betreiben, sondern den Unterricht inhaltlich so zu vertiefen, dass er sich mit den Lebensfragen des jungen Menschen verbinden kann und Antworten gibt. So schafft sie es, die Schüler individuelle anzusprechen und die Fähigkeit zur wissenschaftlichen Selbsterarbeitung eigener Themen zu fördern.

Epochenunterricht

Ein wichtiges Mittel, um den Unterricht ökonomisch zu gestalten, ist der Epochenunterricht. Dieser wird in den Fächern durchgeführt, in denen Sachgebiete in sich geschlossen behandelt werden können. Hierzu zählen Deutsch, Geschichte, Mathematik und die Naturwissenschaften, wie Sachunterricht, Biologie und Physik. Gebiete, die regelmäßiger Übung bedürfen, wie beispielsweise künstlerischer Unterricht, Sport, Englisch und Spanisch werden in Fachstunden erteilt. Fremdsprachen werden vom ersten Schuljahr an gelehrt.

Zeugnisse und Abschlüsse

Die Waldorfschulen haben mit der Auslese auch das übliche Zensurensystem abgeschafft. Die Zeugnisse bestehen aus möglichst detaillierten Charakterisierungen, die die Leistung, den Leistungsfortschritt, die Begabungslage, das Bemühen in den einzelnen Fächern aufzeigen. Die Schüler schließen die Schule mit dem Hauptschulabschluss, der Mittleren Reife ab oder dem Abitur nach dem 13. Schuljahr.

Weitere Informationen dazu lesen Sie auf: www.waldorfschule.de